Bereits vor einem Jahr hatten mein Bruder und ich ausgemacht den Maifeiertag als Brückentag für ein verlängertes Wochenende zu nutzen. Als Motorsportfan wollte er das A1-Rennen auf der Rennstrecke Brands Hatch, südöstlich von London, anschauen. Da wir mit dem Zug über Brüssel nach London fahren mussten, wollten wir natürlich auch die Hauptstadt Europas besichtigen.

Mittwoch, 30. April 2008

Mit der Bummelbahn ging es los in Richtung Ingolstadt. Hier hätten wir eigentlich in den ICE nach Brüssel steigen sollen, doch dank eines Stromschadenes musste unser Zug extrem langsam fahren und somit verpassten wir unseren Anschlußzug. Dummerweise war es auch der letzte der an diesem Tag fahren würde. Fing ja schon mal gut an .
In Ingolstadt überlegten wir dann weiter bis nach Köln zu fahren und uns dort ein Hotel zu suchen. Unsere Tickets wurden auf den nächsten Tag umgeschrieben und somit stand unserer Weiterreise ja für den kommenden Tag nichts im Weg.
Am Kölner Bahnhof teilte man uns mit, dass wir sogar kostenlos im Four Points Sheraton Hotel für die Nacht unterkommen würden und somit marschierten wir erst einmal ins Hotel um unsere Rucksäcke los zu werden. In diesem 4-Sterne-Hotel durften wir uns sogar für ein Zimmer mit Domblick entscheiden und nachdem wir erst einmal den Ausblick genossen hatten ging es hinein in das Kölner Nachtleben. Dank dem Feiertag herrschte hier schon Wochenendstimmung und die Straßen waren voller Leute, Musik und guter Laune.

Donnerstag, 01. Mai 2008

Am nächsten Morgen stärkten wir uns am vielseitigen und köstlichen Frühstücksbüffet und stiegen in den ICE, der uns jetzt direkt nach Brüssel bringen sollte. Am Bahnhof in Brüssel angekommen waren wir ziemlich froh gleich vor der Tür ein Ibis-Hotel zu finden, wo wir für eine Nacht unterkamen. Bei etwas durchwachsenem Wetter zogen wir also schließlich los um die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt Europas zu entdecken. Etwa dreißig Minuten brauchten wir zu Fuß bis zum Marktplatz, welcher mit dem gotischen Rathaus und seiner barocken Fassade als einer der schönsten Plätze Europas gilt. Auf dem Weg dorthin kann man in der Altstadt eines der Wahrzeichen von Brüssel entdecken: die 61 Zentimeter hohe Bronzefigur Manneken Pis. Zum Maifeiertag wurde die Statue sogar in einen Anzug gekleidet.
Am Nachmittag suchten wir dann eine Haltestelle des Hop on/Hop off-Touristenbusses, welche tatsächlich nicht besonders leicht zu finden sind. Es gibt keine Hinweisschilder und somit kann man sich nur anhand eines Anfahrplanes einigermaßen orientieren. Mittlerweile hatte sich der Himmel auch schon stark zugezogen und wir waren ganz froh erst einmal im Trockenen zu sitzen. Im Bus kann man einen Kopfhörer vor den Sitzen einstecken und sich in verschiedenen Sprachen die einzelnen Stationen erklären lassen. Unser erstes Ziel war der Triumphbogen im Park Cinquantenaire. Dieser Jubelpark ist 37 ha groß und im Sommer ein beliebter Platz zur Freizeitgestaltung und Erholung. Wir benutzten den Triumphbogen, welcher an den Pariser Arc de Triomphe erinnert, als Eingangstor in den Park.
Anschließend ging es weiter mit dem Bus. An der Art-Deco-Basilika Sacré-Cœur fuhren wir leider in großem Abstand vorbei und es war somit nicht möglich zu Fuß dorthin zu gehen . Die Kirche gilt als die fünftgrößte der Welt und soll auf ihrer in 53 m Höhe gelegenen Aussichtsplattform einen herrlichen Blick auf Brüssel bieten.
Als nächstes stiegen wir beim Atomium aus, welches 1958 zur Expo erbaut wurde. Das 102 m hohe Gebilde besteht aus neun Kugeln, von denen einige begehbar und miteinander verbunden sind. Da hier eine ewig lange Schlange am Ticketschalter anstand entschieden wir uns jedoch dafür weiter zu gehen. Zu Fuß gingen wir zum Japanischen Turm, den wir aus dem Bus gesehen hatten, und fanden hier auch den chinesischen Pavillion. Doch jetzt öffnete der Himmel seine Schleusen und schleunigst suchten wir die nächste Bushaltestelle. Als es dann auch noch zu hageln begann blieben wir erst einmal im Bus sitzen.

Freitag, 02. Mai 2008

Tags darauf ging es dann mit dem Eurostar von Brüssel nach London. Besonders auf diese drei Tage hatte ich mich sehr gefreut und war schon richtig aufgeregt. Die Sitzplätze im Eurostar sind reserviert und man muss hier wie am Flughafen eine halbe Stunde vor Abfahrt einchecken und dabei durch eine Pass- und Sicherheitskontrolle.
Das erste was ich nach dem langen Dunkel des Tunnels gesehen habe, war ein strahlend blauer Himmel und grüne Hügel. Unsere Endhaltestelle war der Bahnhof St. Pancras, welcher alleine wegen seiner viktorianischen Fassade schon sehr sehenswert ist. Wir blieben jedoch nur kurz zum Geldwechseln in London und dann ging es gleich mit dem Zug weiter nach Salisbury. In dieser kleinen Stadt gibt es eine bekannte Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert, welche den höchsten Kirchturm Englands hat.
Hauptsächlich kamen wir aber natürlich hierher um weiter nach Stonehenge zu fahren. Direkt vom Bahnhof fährt ein Hop on/Hop off-Bus zuerst durch Salisbury, dann zu den Ruinen der alten Hauptstadt Sarum und schließlich bis nach Stonehenge. Wir wurden gleich durch den Eingang bei Stonehenge gescheucht und erhielten einen Audioguide in der gewünschten Sprache. So ausgestattet machten wir uns auf den Weg und tauchten für etwa eine Stunde in die Mysterien dieses sagenumwobenen Ortes ab. Man kann selbst bestimmen wie lange man sich hier aufhalten möchte.
Nach etwa vier Stunden waren wir dann wieder zurück in London und erlebten hier eine Überraschung. An der Tür unseres gebuchten Bed & Breakfast-Motels hing ein Zettel mit dem Hinweis, dass dieses heute früher geschlossen hätte . Also machten wir uns auf die Suche nach einer anderen Unterkunft, was sich in London schwieriger als gedacht erwies. Entweder handelte es sich um unbezahlbare Hotels oder es war bereits alles ausgebucht. Erst nach drei Stunden konnte uns ein Mitarbeiter eines Novotels ein Zimmer für drei Tage in den Docklands besorgen. Bis wir zu Fuß, per U-Bahn und Dockrail dort ankamen war es schon fast Mitternacht und wir ziemlich erschöpft, aber verdammt glücklich noch eine Unterkunft gefunden zu haben.

Samstag, 03. Mai 2008

Früh am Morgen läutete unser Wecker und rasch machten wir uns fertig zum frühstücken. Wie wir bereits wussten, war die Dockrail wegen Umbauarbeiten gesperrt und wir brauchten ca. eine halbe Stunde zu Fuß bis zur ersten U-Bahn-Station. Leider gab es auch an bestimmten Bahnstrecken Gleisarbeiten und somit konnten wir nicht wie geplant bis nach Swanley fahren, sondern mussten bereits in der Ortschaft Orpington in einen Bus Service umsteigen. Die Fahrt dauerte somit noch eine halbe Stunde länger, aber zumindest war alles hervorragend organisiert. In Swanley angekommen stiegen wir in eines der bereitstehenden Taxis und kamen am frühen Vormittag an der Rennstrecke Brands Hatch an.
Hier versuchten wir uns zuerst einmal zu orientieren. Wir sahen das Original Formel 1-Auto von Michael Schuhmacher und viele andere schöne Autos und Motorräder. Noch waren nicht besonders viele Fans zur Rennstrecke gekommen und auch die Buden hatten teilweise noch geschlossen. Bei strahlendem Sonnenschein zogen wir los um die Strecke zu umrunden und ließen uns schließlich auf einer kleinen grünen Insel mittendrin nieder. Hier verfolgten wir das Qualifikationsrennen der A1 und der anderen Formeln. Gegen 16 Uhr ging es dann wieder zurück nach London, wo wir ca. zwei Stunden später noch die letzten Stunden des Tages nutzen wollten.
Nach der Rückfahrt per Taxi, Bus und Zug ging es mit der U-Bahn direkt bis nach Marble Arch von wo aus wir uns im Hyde Park auf die Suche nach den angeblich zahmen grauen Eichhörnchen machten. Tatsächlich wurden wir schon nach kurzem Fußmarsch belohnt und entdeckten diese süßen Tierchen auch in den anderen Parkanlagen durch die wir bis zum Buckingham Palace kamen.
Während langsam die Sonne unterging fuhren wir mit der U-Bahn bis zur bekannten St. Pauls Cathedral in der in meinem Geburtsjahr Lady Diana unc Prince Charles getraut wurden. Zu Fuß gingen wir über die Millenium Bridge und tauchten in das Londoner Nachtleben ein. Zum Abschluß dieses Tages machten wir noch ein Nachtfoto von der Tower Bridge und dann ging es wieder zu unserem Hotel zurück.

Sonntag, 04. Mai 2008

Der Sonntag begann genauso wie der Tag zuvor: früh aufstehen, frühstücken, zu Fuß zur U-Bahn und dann mit Bahn, Bus und Taxi auf die Rennstrecke. Leider schafften wir es trotz guter Planung wegen der verzögerten Abfahrt des Service Busses nicht mehr rechtzeitig in die Boxengasse. Eigentlich hätten wir diese gerne gesehen, aber zumindest die Fahrer konnten wir noch bei der Autogrammstunde antreffen. Für das Hauptrennen hatten wir Plätze auf der Tribüne und holten uns dort sogar einen kräftigen Sonnenbrand. Für das deutsche A1-Team sah es bis kurz vor Rennende richtig gut aus, doch leider beendete ein geplatzter Reifen den Traum auf einen Podiumsplatz. Zweiter wurde Gastgeber England.
Am späten Nachmittag ging es dann für den letzten Tag zurück nach London, wo wir noch die letzten wichtigen Stationen ablaufen wollten. Der Uhrturm von Big Ben ist wohl das bekannteste Wahrzeichen Londons und die größte Uhr Großbritanniens. Tags zuvor hatten wir schon an der Themse den bekannten Westminsterschlag gehört. Der Uhrturm ist Teil des im neugotischen Stil erbauten Palace of Westminster, in welchem u.a. das britische Parlament tagt. Heute gingen wir an Big Ben vorbei um auch noch einen Blick auf die Westminster Abbey zu werfen. Traditionell werden hier die Könige von England gekrönt und beigesetzt.

Montag, 05. Mai 2008

Da unser Eurostar bereits um kurz vor 8 ging und wir doch eine weite Strecke vor uns hatten, mussten wir auch sehr früh aufstehen, schnell frühstücken und abreisen. Glücklicherweise funktionierte die Dockrail wieder und wir mussten nicht die ganze Strecke mit den schweren Rucksäcken zu Fuß zurück legen. Die Rückreise funktionierte einwandfrei und dauerte etwas mehr als 12 Stunden. Die Zeit im Zug verging erstaunlich schnell.

Fazit

Brüssel werde ich sicherlich nicht mehr besuchen, denn von dieser Stadt war ich ziemlich enttäuscht. London hingegen ist eine sehr schöne Stadt in der man noch so viel mehr sehen und erleben könnte. Ihr würde ich sehr gerne noch einen zweiten Besuch abstatten, bei dem ich mir mehr Zeit für die Sehenswürdigkeiten nehmen würde - vor allem das Britische Museum hätte ich noch gerne gesehen. Auf der anderen Seite ist London jedoch auch eine sehr teure Stadt und die Eintrittspreise schon unverschämt hoch. Nur Museen sind bislang kostenlos zu besichtigen. Das nächste Mal würde ich allerdings die kürzere Anreise per Flugzeug vorziehen , auch wenn die Zeit im Zug erstaunlich kurzweilig war.