Seit meinem 14. Lebensjahr bin ich von Ägypten und seiner alten Kultur fasziniert. Es war immer ein Traum von mir einmal dieses Land zu besuchen, die fremde Kultur zu erleben und die Pyramiden mit eigenen Augen zu sehen.
Lange Zeit habe ich mir diese Reise überlegt und schließlich wollte ich nicht mehr nur davon träumen, sondern es verwirklichen. Ich wollte in 14 Tagen soviel wie möglich von diesem Land sehen und habe mich daher für eine einwöchige Nilkreuzfahrt mit Besuch der Sehenswürdigkeiten, drei Tage in Kairo und abschließend fünf erholsame Tage in Hurghada entschieden.

Donnerstag, 10. Juni 2006

Mit der Hapag-Lloyd ging es von München nach Luxor und anschließend mit dem Bus ca. eine Stunde nach Esna zu unserem Nilschiff Zeina. Wegen Wartungsarbeiten ist die Schleuse in Esna im Juni geschlossen und daher liegen die Kreuzfahrtschiffe zu dieser Zeit in Esna statt direkt in Luxor. Da viele die heißen Temperaturen im Juni fürchten, sind die Schiffe außerhalb der Hauptreisezeit meistens nur zur Hälfte gebucht. Aus diesem Grund lernt man seine Mitreisenden sehr viel schneller kennen und bekommt auf dem Sonnendeck auch immer eine freie Liege. Die Temperaturen lagen zwischen 35° und 45° und waren durch das trockene Klima angenehmer als die Sommer in unseren Breitengraden. Die Ausflüge beginnen immer sehr früh und am Nachmittag kann man wunderbar auf dem Sonnendeck die Nillandschaft genießen und im Pool entspannen.
Nach der Ankunft auf dem Schiff wurden wir erst einmal in unsere Kabinen gebracht. Diese sind zwar klein, aber für die wenige Zeit, die man auf den Zimmern verbringt, absolut zweckmäßig ausgestattet. Besonders gemütlich ist es auf dem Sonnendeck oder im klimatisierten Salon, der mit vielen Sitzmöglichkeiten, einer Bar, einer kleinen Tanzfläche und einem großen Fernseher vor allem abends gut besucht war. Die englischsprachige Crew war immer freundlich und bemüht uns jeden Wunsch zu erfüllen, ebenso wie unser Reiseleiter Abdallah und Reiseführer Mehmet.
Nachdem wir ausgepackt hatten gingen wir zuerst in den Salon und wurde dort von Mehmet begrüßt. Nachdem alle Reisenden sich eingefunden hatten, erhielten wir einen kurzen Überblick über die vor uns liegende Kreuzfahrt, über Land und Leute und andere wichtige Informationen. Am Schluß wurden wir noch in zwei Gruppen eingeteilt und erhielten unsere für die ganze Fahrt über zugewiesenen Essplätze im Speisesaal. Mit unseren Tischnachbarn verstanden wir uns auf Anhieb gut und am Ende des Tages legten wir uns voller Erwartung auf die anstehende Reise schlafen.

Freitag, 11. Juni 2006

Gegen fünf Uhr morgens wurden wir geweckt und brachen nach dem Frühstück mit dem Bus ins Tal der Könige auf. Bisher wurden 64 Gräber im Tal entdeckt. Das Grab von Tut-Ankh-Amun ist mit Sicherheit das bekannteste, da es als einziges fast vollständig erhalten und mit unermesslichen Schätzen ausgestattet war.
Bei unserer Ankunft lag das Tal ruhig vor uns. Nun konnten wir uns also im Tal der Könige auf eigene Faust umsehen und drei Gräber unserer Wahl besuchen. Das Fotografieren innerhalb der Gräber ist mittlerweile verboten um die Malereien im Inneren zu schützen. Durch die engen Gänge drängte sich bereits ein steter Touristenstrom und es blieb nur wenig Zeit die wunderschön verzierten Wände zu bestaunen. Obwohl es im Inneren sehr heiß und stickig wird, ist es wirklich ein unvergessliches Erlebnis. Das Grab von Tut-Ankh-Amun war zwar geöffnet, aber wegen des zusätzlichen Eintrittspreises und der wartenden Menschenmenge haben wir uns gegen einen Besuch entschieden. Nach dem Besuch der Gräber sahen wir uns noch ein bißchen im Tal um, aber in der Wüstenei brannte die Sonne unbarmherzig vom wolkenlosen Himmel. Wir waren wirklich sehr dankbar dafür, dass es in unserem Bus sehr günstig Wasserflaschen zu kaufen gab.

Danach ging es mit dem Bus ein kurzes Stück weiter zu einem der künstlerisch herausragendsten Monumente des alten Ägyptens: dem Terrassentempel der Hatschepsut in Deir el-Bahari. Hier erfolgte 1997 ein Anschlag bei dem 58 ausländische Touristen und 4 Ägypter starben. Aus diesem Grund sieht man hier, wie überall in ganz Ägypten, viel Militär zum Schutz der Touristen. Die riesige Anlage lag fast menschenleer vor uns und wir waren besonders von den gut erhaltenen Wandmalereien beeindruckt. Die Regierungszeit von Königin Hatschepsut war eine blühende Epoche die zu den Glanzzeiten Ägyptens zählt. Nach ihrem Tod wurden jedoch die Kartuschen, zahlreiche Reliefs und Statuen mit ihrem Namen und ihrer Gestalt zerstört.

Einen kurzen Fotostopp legten wir noch in der Nähe von Theben bei den Memnonkolossen ein. Sie stellen den Pharao Amenophis III. dar und sind die einzigen Überreste einer alten Tempelanlage. Zurück auf unserem Schiff musste dieses zuerst einmal umgeparkt werden. Ein wirklich spektakuläres Vorhaben, dass man hervorragend vom Deck aus beobachten kann. Normalerweise merkt man sich bei einem Ausflug an wievielter Stelle das eigene Schiff liegt. Verwirrt ist man lediglich, wenn es während der Abwesenheit plötzlich umgeparkt wurde. Aus diesem Grunde lief unsere Gruppe am Anfang, als wir unser Schiff noch nicht so gut kannten, schon häufiger im falschen ganz verzweifelt die Treppen auf und ab .

Nachdem wir endlich vollzählig wieder auf dem richtigen Schiff versammelt waren, legten wir in Esna ab und fuhren langsam Richtung Edfu.

Samstag, 12. Juni 2006

In Edfu wurden wir Nachts gegen drei oder vier Uhr vom Muezzin aus der am Hafen liegenden Moschee geweckt. Zum Glück hatten wir aber noch etwa zwei Stunden bis zu unserem "zweiten" Weckruf. Nach einem hervorragendem Frühstück ging es dann mit kleinen Kutschen zum Tempel in Edfu, der dem falkenköpfigen Gott Horus geweiht ist.
Die Fahrt dauert allerdings nur ein paar Minuten. Der Horus-Tempel wurde ab 237 v. Chr. von Ptolemaios III. erbaut und ist noch heute fast vollständig erhalten. Im Tempel bekommen wir von Abduallah eine erste Lektion im Lesen von Hieroglyphen und den Abbildungen der Götter.
Mit den Kutschen geht es wieder zurück zur Anlegestelle. Vom obligatorischen Verhandeln über die Höhe des Bakschisch bleibt man auch hier nicht verschont, obwohl Abdallah diese bereits vor der Fahrt bezahlt hat.

Den Nachmittag verbrachten die meisten auf dem Sonnendeck. Hier kann man entspannen, während die Nillandschaft vorüberzieht und um 17 Uhr die Teestunde eingeleitet wird. Trotz 40° empfindet man den heißen Tee in Ägypten wirklich als angenehm und sehr lecker. Mittlerweile haben sich auch schon kleine Grüppchen zusammengetan und auch wir haben uns mittlerweile mit sechs Mädels und einem jungen Ehepaar angefreundet.
Um einen Eindruck von Land und Leute zu gewinnen, gelang es uns Mehmet dazu zu überreden, mit uns einen Landgang zu machen. Als einzige weibliche Personen saßen wir zusammen mit ihm in einem Kaffeehaus und genossen die kühle Abendbrise.

Danach saßen wir noch bis in die Nacht hinein auf dem Oberdeck, redeten und scherzten miteinander und schwärmten vom traumhaften Beginn dieser Reise. Später gesellten sich auch Mehmet und Abdallah wieder zu uns und genossen es ganz offensichtlich in unserer Mitte . Unser Schiff brachte uns währenddessen zum südlichsten Punkt unserer Reise und an das Ende des Niltals.

Sonntag, 13. Juni 2006

An diesem Tag hatten wir ein volles Programm und "Gruppe 1", wie wir uns mittlerweile scherzhaft nannten, war wieder einmal früh auf den Beinen. Nach einer kurzen Busfahrt erreichten wir bereits den Steinbruch, der zur Zeit der Pharaonen Lieferant für das rötliche Granit war. Auch hier sind die Sicherheitsvorkehrungen hoch gehalten und am Eingang mussten wir sogar durch einen Metalldetektor.
So südlich in Assuan erschienen auch die Temperaturen um ein paar Grad wärmer. Im Steinbruch gab es nur einen einzigen Baum und im Schatten lagen bereits in den frühen Vormittagstunden erschöpfte Hunde. Wir quälten uns den Weg nach oben, um schließlich den unvollendeten Obelisken zu sehen. Es ist zwar ein beeindruckender Anblick, da dieser Obelisk der größte Ägyptens geworden wäre, aber durch seine Beschädigung gibt es hier auch keinerlei Verzierungen zu sehen. Anschließend ging es weiter zum Assuanstaudamm.

Der Bau des Hochdamms hatte mehrere Gründe für Landwirtschaft und Industrie. Für einige Kulturdenkmäler des alten Ägyptens bedeutete es jedoch in den Fluten zu versinken. Berühmt ist besonders die Versetzung der Tempel von Abu Simbel und Philae, um diesem Schicksal zu entgehen. Auf dem Staudamm machten wir eine kurze Fotopause und schauten hinaus auf die Weite des Stausees. Nur ein kleines Stück weiter waren wir schließlich schon an unserem nächsten Ziel.
Mit Motorbooten setzten wir über auf die Insel Philae. Der heutige Standort des Tempels ist nicht mehr auf der ursprünglichen Insel Philae, da diese nach dem Bau des Staudamm in Assuan im Nassersee versunken ist. Die Tempelanlage wurde in den 1960er Jahren auf die höher gelegene Insel Agilkia umgesiedelt und gehört mit weiteren pharaonischen Denkmälern zum Unesco-Weltkulturerbe. Philae wurde auch als „Perle Ägyptens” bezeichnet und muss, alten Zeichnungen zufolge, einen äußerst malerischen Anblick geboten haben. Die Insel ist etwa seit der 26. Dynastie der Göttin Isis geweiht und hielt sich bis 300 n. Christus, solange wie nirgendwo anders in Ägypten.

Mit dem Bus ging es dann wieder für einen kurzen Aufenthalt zurück zu unserem Schiff, um das Mittagessen einzunehmen. Danach wurden wir mit großen Motorbooten direkt am Schiff abgeholt, um zum Botanischen Garten auf Kitchener's Island überzusetzen. Lord Horatio Kitchener, der Oberkommandierende der Kolonialtruppen, ließ diesen hier Ende des 19. Jahrhunderts anlegen. Bei einem Spaziergang durch den Garten kann man wunderbar entspannen, aber auch im Schatten der vielen Pflanzen bleibt die Hitze des Nachmittags nicht verborgen. Nachdem wir uns hier umgesehen hatten, ging es mit den Motorbooten wieder zurück zur Zeina, nach kurzer Verschnaufspause aber gleich weiter zu einem Ausflug nach Assuan.
Mit dem Bus begaben wir uns auf eine Orientierungsfahrt durch Assuan und besichtigten zuerst eine Moschee, in der wir auch viele Fragen über den Islam beantwortet bekamen. Anschließend ging es weiter hinauf zu einem Teehaus, von dem man einen tollen Blick über Assuan hat und in dem es den besten frischgepressten Mangosaft in ganz Ägypten gibt . Auf dem Weg hinauf zum Teehaus kommt man auch am Old Cataract Hotel vorbei, das durch die Schriftstellerin Agatha Christie berühmt wurde und noch heute den Charme ihrer Zeit versprüht.

Am Abend begleitete Abdallah uns dann durch den Bazar und ließ uns schließlich eine Stunde Zeit diesen alleine zu erkunden und uns später in einem Teehaus zu treffen. Dieses, als "gemütlicher Bummel über den Bazar" angekündigte Ereigniss, wurde für uns zum wahren Spießrutenlauf. Zu fünft hatten wir uns zusammengschlossen und so manchen Ägypter in den Ruin gehandelt , dann aber auch jegliche Orientierung verloren. Nachdem die Zeit langsam knapp und wir, von den Verkäufern umschwärmt, immer unruhiger wurden, hetzten wir schließlich hin und her, bis wir endlich das Teehaus fanden und vollkommen erschöpft gerade etwas zu trinken bestellten, als Abdallah just in diesem Moment zum Aufbruch rief.
An diesem Tag waren wir wirklich erschöpft und freuten uns auf das gesellige Zusammensitzen auf Deck. Da wir am nächsten Tag bereits um 3 Uhr aufstehen mussten, hatte ein Teil unserer Gruppe entschieden durchzumachen und ein anderer Teil früh ins Bett zu gehen. Ich hatte beschlossen nur eine oder zwei Stunden zu bleiben und dann noch etwas zu schlafen.
Besonders lustig wurde es, als sich Mehmet, Abdallah und ein befreundeter Reiseleiter von einem anliegendem Schiff zu uns gesellten. Als es dunkel wurde, war der Anblick des klaren Himmels, der beleuchteten Schiffe auf dem Nil und des funkelnden Assuan wirklich wunderschön und wir kamen aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Ganz zu Mehmets Freude, der aus Assuan stammt.

Montag, 14. Juni 2006

Von Anfang an stand für uns fest, dass wir auf jeden Fall den fakultativen Ausflug nach Abu Simbel machen wollten. Es ist das "schönste und ehrgeizigste" Bauwerk von Ramses II., einem der größten Pharaonen der ägyptischen Geschichte. Er stellt nicht nur den Höhepunkt ramessidischer Bauten in Nubien dar, sondern auch den jeder Nilreise.
Der frühe Weckruf hatte nur wenige Mitreisende davon abgehalten mitzukommen und so krabbelten früh Morgens die meisten müde und mit Kissen bepackt in den Reisebus um dort weiterzuschlafen. Bei dieser Entfernung dürfen die Busse nur in Kolonne fahren und werden an mehreren Stellen aufgehalten um überprüft zu werden. In jedem Bus fuhren zwei bewaffnete Polizisten mit, die allerdings noch müder waren als wir. Die Fahrt nach Abu Simbel dauert einige Stunden und führt mitten durch die Wüste. Der Sonnenaufgang in der Wüste ist zwar spektakulär, war von unserem Sitzplatz aus aber kaum zu sehen. Am Ziel angekommen war die Müdigkeit aber schnell vergessen, denn der Anblick der 24 m hohen Statuen ist einfach atemberaubend. Der angrenzende kleinere Tempel wurde für Nefertari - die Lieblingsfrau von Ramses - erbaut.

Wieder nilaufwärts machten wir am Abend noch einen Zwischenstopp in Kom Ombo. Der Tempel ist dem Krokodilgott Sobek geweiht und auch heute sind noch einige Krokodilmumien ausgestellt und in einer Wand sind auch die Instrumente der damaligen Ärzte eingemeißelt. Für jede Krankheit gab es schon damals einen Spezialisten. Ebenfalls findet man in der Tempelanlage einen Kalender, der unserem heutigen schon sehr ähnelte.
Auf dem Bazar in Kom Ombo kauften wir uns noch typisch ägyptische Kleidung für die Galabeja-Party am Abend. Bei der Party gab es verschiedene Spiele und viel Tanzmusik. Anschließend saßen wir noch in einer großen Gruppe zusammen und hatten einfach nur eine Menge Spaß. Mittlerweile hatte sich wirklich eine Freundschaft zu ein paar der Mitreisenden ergeben und wir begannen bereits Adressen und Telefonnummern auszutauschen um auch nach dem Urlaub in Kontakt zu bleiben.

Dienstag, 15. Juni 2006

Mit der Zeina kehrten wir wieder zum Ausgangspunkt unserer Kreuzfahrt nach Esna zurück. Die Fahrt verbrachten wir die meiste Zeit auf dem Sonnendeck und im Pool. Am Nachmittag besuchten wir den kleinen Chnum- Tempel in Esna der mitten im Stadtzentrum und einige Meter unterhalb des heutigen Bodenniveaus liegt. Mit dem Bau des Tempels wurde in der Ptolemäerzeit begonnen, die Fertigstellung erfolgte wahrscheinlich aber erst in der römischen Zeit, da die Namen der Kaiser Claudius und Vespasian auf der Vorderseite des Tempels erwähnt werden. Trotz seiner geringen Größe ist der Esna-Tempel wirklich absolut sehenswert. Die Decke wird von 24 mit Blumenkapitellen geschmückten Säulen getragen, die teilweise zwar blass, aber noch in ihrer ursprünglichen Farbe zu sehen.

Am Abend war eine Bauchtänzerin im Salon, aber unsere kleine Gruppe hatte Mehmet schon vorher Bescheid gegeben, dass wir um 20 Uhr 45 das Spiel der deutschen Mannschaft bei der Fussball-EM anschauen wollten. Da die Bauchtänzerin auch noch ziemlich schlecht war, hatten wir auch kein schlechtes Gewissen, als wir zu siebt schließlich aus dem Salon schlichen und uns in einer Kabine aufs Bett zusammenpferchten. Später wurden wir von Mehmet in den Salon zurückgeholt um uns das Spiel mit allen gemeinsam auf dem großen Fernseher dort anzusehen. An diesem Abend wurde ich zum ersten Mal schon um 22 Uhr richtig müde und war sehr froh, als ich endlich im Bett lag.

Mittwoch, 16. Juni 2006

Den Abschluß unserer Kreuzfahrt bildete der Besuch in Luxor und Karnak. Der Tempel von Luxor wurde zu Ehren des Gottes Amun von Amenophis III. und Ramses II. errichtet, jedoch bis in die griechisch-römische Zeit verändert. Zum Eingang des Tempels führt eine Allee, die zu beiden Seiten mit Widdersphingen flankiert wird. Früher führte diese Allee bis zu dem 2,5 Kilometer entfernten Karnak-Tempel. 2004 waren hier Arbeiten zur Freilegung der Straße im Gange.
Einer der granitenen Obelisken vor dem Tempel steht heute auf dem Place de la Concorde in Paris. Die Reliefs an dem 65 m hohen Pylon zeigen Szenen aus der Schlacht bei Kadesch. Obwohl die Schlacht unentschieden endete ließ Ramses II. hier seinen Sieg im Stein verewigen.

Der anschließende Besuch eine Papyrusfabrik war sehr interessant, da wir hier gezeigt bekamen, wie Papyrus entsteht. Die an den Wänden hängenden Papyri waren alle handgemalt und wirklich einer schöner wie der andere. Hierbei handelt es sich nicht um die typischen Papyri, die man von den Straßenhändlern in Hurghada angedreht bekommt, sondern um Malereien von ägyptischen Kunststudenten. Die Preise sind für die gebotene Ware in Ordnung und bei der großen Vielfalt findet sich in jeder Preislage etwas. Fast jeder Mitreisende hat hier ein kleines Andenken gekauft und auch ich habe hier zwei Papyri gekauft.

Der Karnak-Tempel ist die größte Tempelanlage aus pharaonischer Zeit in Ägypten. Diese liegt etwa 3 Kilometer nördlich von Luxor und direkt am Nil. Die Anlage ist unglaublich groß und umfasst mehr als 20 Tempel. Hier haben viele Pharaonen gebaut, verändert, abgerissen und wieder neu gebaut. Viele Namenskartuschen von Herrschern wurden von den Heiligtümern und Tempeln aus dem Stein gekratzt und mit dem anderer, am häufigsten von Ramses II., ersetzt. Im Tempel befindet sich eine große Säulenhalle, die von Sethos I. begonnen und von Ramses II. vollendet wurde. Insgesamt bilden 134 Säulen von einer Größe zwischen 13 und 24 Metern in 16 Reihen einen heiligen Hain. Im Karnak-Tempel befindet sich auch ein großer heiliger See in dem die Priester früher Waschungen und andere rituelle Handlungen durchführten.

Zurück auf dem Schiff genossen wir den letzten Nachmittag auf dem Sonnendeck. Während der Großteil unserer Gruppe am Abend noch zur Licht und Sound-Show zurück in den Karnak-Tempel fuhr, erhielten wir auf dem Schiff ein grandioses Abschiedsessen. Danach setzten wir uns wieder auf das Oberdeck um auf die Rückkehr unserer Freunde zu warten und uns von ihnen zu verabschieden. Am nächsten Morgen waren die Abreisezeiten sehr verschieden angesetzt und wir wussten, dass wir nur noch auf zwei von ihnen beim Frühstück treffen würden. Es war noch ein sehr schöner Abend und ein bewegender Abschied. Wir versprachen uns nach dem Urlaub zu treffen, auch wenn wir alle über ganz Deutschland verstreut wohnen, aber ich habe mich sehr darüber gefreut, dass es geklappt hat und wir zusammen drei wunderschöne Tage in Frankfurt verbracht haben. Ich bin noch heute sehr froh darüber so liebe Menschen kennen gelernt zu haben, auch wenn der Kontakt nach und nach wieder nachgelassen hat.

Für uns Zwei gab es noch eine zusätzliche Überraschung, denn unser Reiseführer Abdallah würde uns auch die nächsten drei Tage in Kairo begleiten, da er kurzfristig für seinen kranken Kollegen einspringen musste.

Donnerstag, 17. Juni 2006

Wieder einmal standen wir früh am Morgen auf, dieses mal jedoch zum letzten Mal. Die Woche war so schnell vergangen und wir hatten doch so viel erlebt. Zwei unserer Freunde waren schon wieder auf dem Rückweg in die Heimat und der Rest unseres Grüppchens zum Badeort Hurghada aufgebrochen. Aber auf uns warteten jetzt erst einmal die Pyramiden von Kairo.

Mit einem einstündigen Inlandsflug mit Egyptair erreichten wir schließlich Kairo, einer 15 Millionen-Einwohner-Metropole, wobei die wirkliche Zahl erheblich höher liegt. Freundlich wurden wir von Abdallah begrüßt, der uns erzählte, dass er in Kairo eigentlich ungern arbeitet. Warum dies der Fall ist wurde uns schon nach kurzer Zeit klar. Da wir nicht wie geplant zuerst einmal in unser Hotel fuhren, sondern gleich das Ägyptische Museum ansteuern sollten, gab es bereits die ersten Beschwerden von erzürnten Reisenden. Da Abdallah aber nur als Reiseführer fungierte, hatte er keinen Einfluss auf den Ablauf und auf unseren Reiseleiter sollten wir erst später treffen.
Alleine die Fahrt durch Kairos Straßen ist ein unvergessliches Erlebnis. Wer in Kairo Auto fährt, fährt überall und Hauptsache mit Hupe. Für uns Europäer erscheint es einfach nur als einziges riesiges Verkehrschaos, doch es funktioniert ... meistens jedenfalls.

Das Ägyptische Museum in Kairo ist sehr sehenswert aber leider auch ein hoffnungslos überfülltes Chaos. Es ist das weltweit größte Museum für altägyptische Kunst und enthält etwa 120.000 Gegenstände. Aufgebaut ist das Museum nach der Fundzeit der Objekte. Am meisten waren wir natürlich von den Grabbeigaben, Totenmasken und Sarkophagen aus dem Grab des Tut-Ankh-Amun begeistert. Das Fotographieren im Ägyptischen Museum war kurz vorher verboten worden und hier wurde auch am Eingangbereich sehr darauf geachtet, dass niemand mit Kameras hineinkam. Leider muss ich aber sagen, dass es fast
Nach dem Besuch im Ägyptischen Museum ging es gleich weiter nach Gizeh, einem Vorort Ägyptens, an dem sich das einzige noch erhaltene der sieben Weltwunder befindet: die Pyramiden von Gizeh. Vor rund 4.500 Jahren wurden sie während der 4. Dynastie von den drei Pharaonen Chephren, Cheops und Mykerinos erbaut. Daneben findet man noch drei kleinere Pyramiden, die als Königinnen-Pyramiden bezeichnet werden. Ob die Pyramiden als Grabstätte oder nur rituellen Funktionen dienten ist bis heute ungeklärt. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Bauzeit der Cheops-Pyramide zwischen 25 und 30 Jahren dauerte. In der Mykerinos-Pyramide fand man eine Mumie in einer Holzkiste, sowie einen Sarkophag aus Basalt, die heute im Britischen Museum in London zu sehen sind. 1979 wurden die Pyramiden von Gizeh in das Weltkulturerbe der UNESCO aufgenommen.
Ein Stück weiter befindet sich der Große Sphinx, der ebenfalls vor 4.500 Jahren errichtet wurde. Seit der Entdeckung ist der Sphinx das Sinnbild aller Rätsel. Über den Schöpfer der Sphinx streiten sich die Wissenschaftler bis heute.

Nun ging es also endlich in unser Hotel Djoser. Zur geselligen Umgebung auf dem Schiff wirkte das Hotel und die fremden Menschen sehr bedrückend auf uns und wir zogen uns gleich nach dem Essen auf unser Zimmer zurück. Bisher hatte ich das Gefühl in Ägypten nahezu ohne Schlaf auzukommen, aber nun überkam mich die Müdigkeit. Um 19 Uhr schlief ich bereits auf dem Sessel im Zimmer ein und legte mich kurz darauf ins Bett, wo ich mich bis zum nächsten Morgen nicht mehr rührte.

Freitag, 18. Juni 2006

Am zweiten Tag in Kairo besuchten wir Memphis, Sakkara und Dahschur. In einem kleinen achtsitzigen Reisebus erhielten wir von Abdallah heute eine "Privatführung" , da unsere Mitreisenden nur einen Tag in Kairo gebucht hatten und wir somit ganz alleine unterwegs waren.
Memphis befindet sich etwa 18 km südlich von Kairo und heute ist dort nur noch sehr wenig zu sehen. Am beeindruckendsten ist hier die liegende Kolossstatue von Ramses II. Leider war hier das Fotografieren nur gegen Bezahlung vor Betreten der Anlage erlaubt.
Im naheliegenden Sakkara besichtigten wir die Stufenpyramide des Pharao Djoser. Dieses Bauwerk war die erste Pyramide in Ägypten und wurde von dem Architekt, Arzt und Wissenschaftler Imhotep entworfen. In Sakkara befinden sich fast alle ägyptischen Grabformen, darunter auch Mastabas aus altägyptischen Epochen. In Dahschur liegen die Knickpyramide und die Rote Pyramide von Pharao Snofru, zwei Pyramiden der Könige Amenemhet II. und Amenemhet III. und die Pyramide von Sesostris III.

Abdallah ermöglichte uns hier den Besuch eines Grabes. So stiegen wir also einen schmalen engen Weg hinunter und hörten uns das unverständliche Englisch des Ägypters an, der sich dafür strahlend etwas Bakschisch verdiente. Natürlich handelte es sich um ein kleines unbedeutendes Grab, aber der auf die Decke gemalte Sternenhimmel und der Granitsarg waren sehr hübsch.
Nachdem er uns wieder zum Hotel zurückgebracht verabschiedeten wir uns herzlich voneinander. Ich könnte mir keinen besseren und unterhaltsameren Reiseführer vorstellen und wer weiß? Vielleicht sieht man sich ja bei der nächsten Nilkreuzfahrt wieder .

Samstag, 19. - Donnerstag, 24. Juni 2006

Nun brach also unser "wirklicher Urlaub" an und wir fuhren mit einem kleinen achtsitzigen Bus los in Richtung Hurghada. Die Fahrt dauerte sieben Stunden und war nicht nur für unsere beiden Fahrer anstrengend. Zu meiner großen Freude hatten wir bei der Fahrt am Roten Meer das Glück aus dem Fenster eine Gruppe Delfine zu sehen. Nach der langen Fahrt waren wir wirklich sehr glücklich endlich im Conrad Resort Hotel in Hurghada anzukommen.

An meinem Geburtstag machen wie einen ganz tollen Schnorchelausflug nach Giftun Island. Mit einer halben Stunde Verspätung und ägyptischer Gelassenheit wurden wir abgeholt und zu unserem Ausflugsboot gebracht. Zuerst wurde ein Riff im Roten Meer angelaufen wo man schnorcheln konnte. Mir war von dem Geschaukel auf dem Boot schon etwas schlecht und der Wellengang am Riff war mir zu extrem, so dass ich bereits nach kurzer Zeit wieder aus dem Wasser stieg. Anschließend liefen wir Giftun an, welches durch sein kristallklares Wasser bekannt ist. Giftun ist eigentlich nur eine größere Sandbank ohne Pflanzen oder anderem Sonnenschutz. Auf der Rückfahrt gab es noch einmal die Möglichkeit zu schnorcheln und dann ging es wieder zurück ins Hotel.

Als wir an unserem letzten Tag mit dem Bus vom Hotel abgeholt wurden, saßen dort doch tatsächlich vier unserer Freunde von der Nilkreuzfahrt. Mit zwei von ihnen flogen wir sogar gemeinsam zurück nach München. Als wir uns von ihnen verabschiedeten versprachen wir uns bald Pläne für ein Treffen auszumachen, welches auch tatsächlich etwa zwei Monate später in Frankfurt mit der fast kompletten Gruppe statt fand. Dieses Wiedersehen am Ende der Reise stellte wirklich einen unglaublich schönen Ausklang dieser unvergesslichen zwei Wochen dar.

Fazit

Ich kann sagen, dass meine Erwartungen wahrlich übertroffen wurden und dies ein wunderbarer Urlaub war. Ägypten ist ein wirklich traumhaftes Land, in dem man Kultur und Gastfreundschaft in vollen Zügen erleben kann - solange man es schafft sich wenigstens ein bißchen anzupassen. Ägypten würde ich jederzeit wieder besuchen, mich dann allerdings weiter südlich vom touristisch überlaufenen Hurghada orientieren.