Nachdem ich mit 13 Jahren meinen ersten Französischkurs machte, war ich auch von Paris fasziniert. Schon damals wollte ich unbedingt eine der häufig angebotenen Busreisen in die französische Hauptstadt machen. Jahre später entschied ich mich dafür mich nicht dem Zwang einer Gruppenreise zu unterwerfen und begann meine Reise selbst zu planen.

Dienstag, 27. Juni 2006

In den frühen Morgenstunden machten wir uns auf zum Flughafen Nürnberg. Mit leichter Verspätung hob unsere kleine Lufthansa, mit gerade mal 20 Passagieren an Bord vom Rollfeld ab. Als wir uns ca. eineinhalb Stunden später im Landeanflug auf Paris befanden zeigte uns ein Blick aus dem Fenster nur weißgraue Wolken.
Nachdem wir den Ausgang gefunden hatten, der uns in die Halle des Terminals brachte, suchten wir den Ausgang Nummer 20 und warteten hier auf die Ankunft des kostenlosen Shuttlebusses zu Terminal 1. Die Fahrt in dem ziemlich vollgestopften Bus dauerte gute dreißig Minuten. Im Terminal 1 ist eine Orientierung wesentlich leichter undsomit begaben wir uns gleich zum Ticketschalter. Die leidige Ticketfrage in Paris wird sehr hilfreich von den Parisliebhabern im Citysam-Forum beantwortet. Wir hatten uns für eine Carte Orange Zone 1-5 entschieden, welche 30,90 Euro kostete. Für diese Mehrtageskarte benötigt man ein Passfoto und erlaubte uns für die kommenden Tage alle öffentlichen Verkehrsmittel in Paris zu benutzen sowie die Funiculaire in Montmartre und einen Rabatt auf den Batobus.
Mit der RER (Réseau Express Régional) ging es in einer 45minütigen Fahrt nach Paris, wo wir gegen Mittag der unterirdischen Haltestelle St. Michel entstiegen und direkt vor Notre Dame ins Tageslicht traten. Auf dem Vorplatz dieser majestätischen gotischen Kirche wimmelte es nur so von Touristen, bietet aber dennoch einen imposanten Eindruck.
Direkt bei Notre Dame ist eine Anlegestelle des Batobus, einem Taxi auf der Seine. Es ist die schönste Art der Fortbewegung in Paris und kostet pro Tag und bei Vorlage der Carte Orange nur 7 Euro (ohne Rabatt sind es 12 Euro). Anlegestellen finden sich an allen bekannten Sehenswürdigkeiten und es kann einen ganzen Tag lang ein- und ausgestiegen werden. Mehr dazu findet ihr auf der offiziellen Webseite.
Auf der Seine ging es als erstes zum Jardin des Plantes, dem Botanischen Garten. Gemütlich schlenderten wir durch den Park und mussten leider feststellen, dass dort neu bepflanzt wurde und nur wenige Blumenbeete bereits fertig waren.
Am anderen Ende des Jardin des Plantes angekommen suchten wir eine Bushaltestelle und fuhren bis zum Panthéon. Darin befinden sich unter anderem die Grabmäler der Geschwister Curie und Schriftsteller Alexandré Dumas. Wieder zurück an der Seine fuhren wir mit dem Batobus etwa 30 bis 40 Minuten bis zum Eiffelturm und erhaschten schon einen ersten Blick auf alle Sehenswürdigkeiten die wir später noch von Nahem sehen sollten. Vom Eiffelturm aus ging es zu Fuß bis zu unserem Hotel, wo wir nur unsere Rucksäcke im Zimmer ablegten und dann ging es auch schon wieder weiter.
Unter dunklen Regenwolken führte uns unser Weg zur schönsten Brücke von Paris: der Pont Alexandre III. und dem wunderschönen Bauwerk des Invalidendoms dahinter. Für 7,50 Euro durften wir in das Innere des Dôme des Invalides. Neben mehreren Grabmälern für Marschälle von Frankreich findet sich hier auch der Sarkophag von Napoléon Bonaparte.
Als wir aus dem Invalidendom wieder herauskamen hatte sich erneut die Sonne gegen die Regenwolken durchgesetzt und diese fast vollständig vertrieben. Auf dem Place de la Concorde waren bereits die Aufbauarbeiten für die Tribünen zur Tour de France in vollem Gange. Über den Platz zu kommen ist ein Spießrutenlauf den man am besten wie die Pariser übersteht: sobald sich eine Lücke bietet über die Straße gehen und die Autos nicht beachten. Mit dem Bus fuhren wir die Avenue des Champs-Élysées entlang und stiegen vor dem Arc de Triomphe aus.
Eigentlich hätten wir uns noch gerne das Fussballspiel der Franzosen auf einer kleinen Leinwand an der Champs-Élysées angeschaut, aber wir waren einfach zu müde und immerhin seit 3 Uhr morgens auf den Beinen. Im Hotel schaltete ich zwar noch den Fernseher ein, schlief aber bereits 15 Minuten nach Anpfiff ein. Erst gegen 23 Uhr kündeten vorbeifahrende hupende Autos und "Allez les Bleus"-Rufe vom Halbfinalseinzug der Franzosen. In unserem abgelegenen Arrondissement kehrte jedoch gleich darauf wieder Ruhe ein und wir waren auch schon wieder in tiefstem Schlaf versunken.

Mittwoch, 28. Juni 2006

An diesem Tag war das Wetter einfach traumhaft und bereits am Morgen zeigte sich ein wolkenloser blauer Himmel. Unser Zug nach Versailles stand schon am Gleis als wir in der Station Javel ankamen und fuhr auch kurz darauf los. Die Fahrt dauert etwa 45 Minuten. Die RER hält in der Ortschaft Versailles und wir konnten direkt dem Touristenstrom folgen und standen kurze Zeit später vor dem Eingangsbereich des Schlosses. Das zarte Rosa, Grün und funkelnde Gold war ein hervorragender Kontrast zum blauen Himmel und ließ von außen nur erahnen welcher Prunk uns darin erwarten sollte.
In der Eingangshalle standen nur ein paar Leute in der Schlange und bereits nach fünf Minuten waren wir im Besitz einer Tageskarte. Für 20 Euro erlaubt diese sich einen ganzen Tag auf dem Gelände des Schlosses aufzuhalten. Zusätzlich zu den normalen Räumen bietet diese Tageskarte den Zutritt zu den Grand Appartements (Prunkgemächer), dem Großen und Kleinen Trianon sowie einen tragbaren Audioguide in deutscher Sprache. Den Audioguide kann ich wirklich nur wärmstens empfehlen.
Schon das Schloß Herrnchiemsee hat mich unglaublich fasziniert und durch die "große Originalausgabe" zu schlendern ist einfach überwältigend. Zudem war ich überglücklich in Versailles fotografieren zu dürfen, was in Herrnchiemsee verboten war. Im Schloß finden sich überall herrliche Wand- und Deckengemälde, alte Möbel, Statuen und viele andere Dinge. Wenn man aus dem Schloß heraustritt ist man verzaubert von der Schönheit der angelegten Blumenbeete und den gigantischen Ausmaßen dieses Gartens.
Bei immer aufklarenderem Himmel spazierten wir durch den Garten bis zum Grand Trianon und anschließend weiter zum Petit Trianon. Der Grand Trianon ist ein mehrflügeliger Bau dessen Mittelpunkt eine marmorne Säulenhalle bildet. Der Petit Trianon wurde von Luis XV. für Madame de Pompadour errichtet und wurde später von Marie-Antoinette übernommen, die gerne vor der Etikette bei Hofe hierher flüchtete. Hier umgab sie sich nur mit Freunden und Vertrauten und konnte sich kurze Zeit dem strengen Leben im Palast entziehen.
Den ganzen Weg zurück zum Schloß legten wir bei herrlichem Sonnenschein zurück und es gibt wohl kein schöneres Wetter um durch diese prachtvollen Gärten zu spazieren. Man sollte sich aber auf jeden Fall auch genügend Zeit dafür nehmen . Gestärkt mit einem leckeren Baguette machten wir uns auf den Rückweg in die französische Hauptstadt.

Mit dem Bus fuhren wir zum weltweit größten und wohl auch bekanntesten Museum: dem Musée du Louvre. An der Rue de Rivoli suchten wir nach einem Nebeneingang, da wir von den Warnungen von endlosen Warteschlangen abgeschreckt waren. Am Nebeneingang herrschte jedoch großer Andrang mehrerer Reisegruppen, so dass wir uns doch zur Glaspyramide am Haupteingang begaben. Dort standen wir keine 10 Minuten an und fuhren mit der Rolltreppe hinunter. Ebenfalls in Rekordzeit hatten wir die Eintrittskarte für 8,50 Euro und einen Übersichtsplan in Deutsch in den Händen. Ab 18 Uhr gibt es hier auch einen verbilligten Eintritt für 6 Euro!
Am interessantesten war für mich natürlich die riesige ägyptische Abteilung, welche die zweitgrößte Sammlung der Welt bergen soll. Sehenswert waren auch die Königsjuwelen, welche jedoch nicht fotografiert werden dürfen. Auf die Mona Lisa warfen wir nur von der Weite einen Blick, waren überrascht wie klein sie ist und vor allem wieviele Blitzlichter aufflackerten, wo doch auch hier Fotografieren verboten war. Als besonders schön habe ich vor allem noch die Statue von Armor und Psyche von Canova in Erinnerung.
Vom Louvre aus machten wir uns wieder auf den Rückweg zum Hotel wo wir bis um 22 Uhr warteten um anschließend den funkelnden Eiffelturm zu sehen. Nach der Dämmerung beginnt der Eiffeltum alle volle Stunden für ca. 10 Minuten zu funkeln und bietet somit ein wunderschönes Schauspiel.

Donnerstag, 29. Juni 2006

Für unseren letzten Tag in Paris hatten wir keinen festen Plan und schwankten zwischen der Fahrt auf den Eiffelturm oder der Besichtigung von Sacre Coeur. Da wir allerdings am frühen Nachmittag schon zurück zum Flughafen mussten, blieb uns also nicht besonders viel Zeit. Am Eiffelturm angekommen war dort noch keine Menschenseele zu sehen und wir hätten eineinhalb Stunden bis zum Öffnen warten müssen. Also fuhren wir mit verschiedenen Bussen Richtung Montmartre. In den engen Gassen des Künstlerviertels steckten wir allerdings plötzlich fest, da ein LKW seine Ware entlud und somit kein Durchkommen mehr war. Als wir dann endlich an der Haltestelle des Montmartrebusses ankamen, erschien jedoch kein Bus. Da wir auch dann noch etwas Zeit bräuchten um die Kirche zu besichtigen und wir noch keine Ahnung hatten, wie gut wir im Flughafen wieder zum Abflugterminal finden würden und uns beim Warten auf den nichtkommenden Bus die Zeit davonlief, mussten wir unverrichteter Dinge wieder umkehren. Einen besseren Blick als auf dem Bild konnten wir leider nicht auf Sacre Coeur erhaschen.
Unsere Reise endete in Paris dort, wo sie begonnen hatte: vor Notre Dame. Mit der RER ging es zum Flughafen wo wir am Terminal 3 ausstiegen. Hier kauften wir uns noch ein Baguette (das beste in ganz Frankreich ) und fuhren mit dem Shuttlebus zu unserem Abflugsterminal, welches nicht nur schnell gefunden, sondern auch noch mit deutschsprachigen und sehr freundlichen Damen besetzt war.

Fazit

Paris habe ich als faszinierende und vielseitige Stadt mit einzigartigem Charme kennen- und liebengelernt. Die Menschen waren zumeist freundlich, dennoch merkt man ihnen eine gewisse Hochnäsigkeit an. Wenigstens ein paar Worte auf Französisch zu können hilft hier sicherlich weiter. Die Eintrittspreise sind moderat. Die Stadt der Liebe möchte ich auf jeden Fall noch einmal besichtigen.